Über die Geschichte der Stadt

Šindelářská vez

Die älteste Stadtgeschichte

Den neueren Geschichtsauffassungen zufolge ist die Stadt im Zusammenhang mit ihrer nahen Lage zur schlesischen Grenze entstanden. In diesem Grenzgebiet hat sich im frühen Mittelalter ein unbesiedelter, tiefer Grenzwald befunden, der eine natürliche Mauer unseres Staats dargestellt hat.  Als jedoch im Jahr 1110 das polnische Herr von Boleslaw III. den Wald passiert hat, ist hier ein neuer Heerespfad entstanden, welcher mit Wachmännern versehen werden musste. Und somit ist - nicht nur aus Gründen der Sicherheit - wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Ansiedlung Dvůr mit einer kleinen Kirche entstanden. Wahrscheinlich hat es sich um eine der Ansiedlungen gehandelt, welche entlang dieses neuen Wegs vom befestigten Miletín auf der schlesischen Seite an wichtigen Wasserübergängen entstanden ist.  Damit war dann auch die sukzessive Besiedlung dieses Gebiets verbunden, welches sich in Bezug auf Dvůr wahrscheinlich von Miletín aus ausgebreitet hat.
Die erste schriftliche Aufzeichnung über Dvůr stammt aus dem Jahr 1270. In dem in lateinischer Schrift verfassten Dokument vom 27. Juli, welches aufgrund des Streits zwischen den Pfarrern aus Hořice und Miletín in Bezug auf das Pfarrrecht erlassen wurde, ist unter den Zeugen der Königinhofer Pfarrer "Gottfridus de Curia" aufgeführt. Die lateinische Bezeichnung Curia für Dvůr taucht auch in den Folgejahren auf.  Es taucht jedoch auch die deutsche Bezeichnung "Hof" auf - erstmalig im Jahr 1316. Der tschechische Name "Dwuor" ist erst im Jahr 1421 belegt. Diese Bezeichnung hängt wahrscheinlich mit dem Fürstenhof zusammen, welcher hier entstanden ist - vermutlich in Nähe der Kirche. Mit der zunehmenden - auch teilweise deutschen - Besiedlung begann die Marktsiedlung zu wachsen. Ab welchem Zeitpunkt Dvůr dem König gehört hat, ist leider nicht bekannt, auch nicht, wann die Besiedlung zur Stadt ernannt wurde.

Dvůr als Leibgedingestadt

Im 14. Jahrhundert ist Dvůr bereits befestigt und das Schicksal von Dvůr ist mit der sog. Lehnspflicht von Trutnov (Trautenau) verbunden, welche mehrmals abgeschafft wurde. Im direkten Königsbesitz befand sich Dvůr dann wieder ab 1392 - im Besitz von Wenzel IV. Dieser erklärte die Stadt zum königlichen Leibgedinge seiner Gemahlin Sophie von Bayern. Somit wurde aus der Stadt eine königliche Leibgedingestadt. Das Ganze ist in etwa vor Sophies Krönung - im Jahr 1400 passiert.  Seit diesem Zeitpunkt trägt die Stadt Dvůr den Zusatz "königliche" im Namen.

Ära des Hussitentums

Im Jahr 1421 ergab sich die Stadt kampflos den Pragern (nicht radikaler Hussitenflügel). Zwei Jahre später ist sie an den entstehenden ostböhmischen radikalen Flügel der Hussitenanhänger von Žižka übergegangen, womit auch einige Schlachten verbunden waren. Im Jahr 1436 haben die Stadtvertreter gegenüber dem Zaren Sigismund von Luxemburg ein Treuegelübde abgelegt. Ein Jahr später wurde das Institut mit den Leibgedingestädten wieder aufgenommen, wo Dvůr zusammen mit weiteren Städten zum königlichen Leibgedinge von Sigismunds Gemahlin Barbara von Cilli erklärt wurde.

Die Stadt Dvůr in Aufständen und Konflikten

Wegen der Teilnahme am Aufstand gegen Kaiser Ferdinand I. hat die Stadt im Jahr 1547 ihre Güter verloren. Aber noch im selben Jahr wurden die Stadtbewohner begnadigt und Dvůr hat fast alle Güter zurückerhalten.

Während des Ständeaufstands (1618–1620) hat sich Dvůr den Rebellen angeschlossen, nach der Schlacht am Weißen Berg (8. 11. 1620) wurde das Vermögen der Stadt Dvůr wieder beschlagnahmt.  Die Güter hat die Stadt im Jahr 1627 zurückerhalten. Während des Dreißigjährigen Kriegs(1618–1648) hat die Stadt erhebliche Schäden erlitten, womit der Niedergang der Stadt erreicht war. Dvůr wurde mehrere Male durch die Krieger des kaiserlichen, sächsischen und schwedischen Heers ausgeraubt und ausgeplündert.

Während der Regentschaft von Maria Theresia (1740–1780) ward die Stadt wieder von Kriegsleiden geprägt, welche im Zusammenhang mit dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) sowie mit dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) standen. Trotz dieser unglücklichen Ereignisse konnte sich die Stadt in der II. Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie zu Beginn des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich weiterentwickeln. Diese Entwicklung hing vor allem mit dem Textilgewerbe zusammen.

Epoche der nationalen Wiedergeburt - Königinhofer Handschriftfund

Am 16. September 1817 hat der tschechische Schriftsteller, Dichter, Sprachwissenschaftler, Literaturhistoriker, Bibliothekar und Hochschullehrer Václav Hanka in einer gewölbten Zelle des Kirchturms der Kirche St. Johannes der Täufer die sog. Königinhofer Handschrift "entdeckt" - den ältesten auf Tschechisch geschriebenen Text mit 14 Liedern aus dem 13. Jahrhundert. Obwohl sich herausgestellt hat, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine Fälschung handelt, welche von Václav Hanka zusammen mit einem Freund - dem Dichter Josef Linda - und wahrscheinlich mit weiteren Personen angefertigt wurde, hatte das Dokument maßgeblichen Einfluss auf die Atmosphäre der nationalen Wiedergeburt und die Stadt hat historische Bedeutung erlangt.  Zum gegenwärtigen Zeitpunkt befindet sich die Königinhofer Handschrift in der Bibliothek des Nationalmuseums in Prag.

Österreichisch-Preußischer Krieg

Von diesem ist 1866 die gesamte Region Hradec betroffen. Die im Rahmen des Kriegs ausgefochtenen Kämpfe haben direkt auf dem Gebiet der Stadt stattgefunden, es kam zu zwei preußischen Besetzungen und am Ende wurde Dvůr Králové im Juli in ein preußisches Lazarett verwandelt.  Als die Krieger die Stadt im September 1866 verließen, ließen sie vernichtete Felder, geplünderte Häuser, Not und Elend sowie eine große Verteuerung zurück.  Denkmäler und andere Erinnerungen an diese Ereignisse befinden sich heute in der Stadt selbst sowie in den umliegenden Dörfern - und dies nicht nur in Form von Kriegsgräbern.

Katastrophen

Vernichtende Brände und Epidemien gehören zu jeder Stadtgeschichte dazu. Brandbegünstigend hat sich der Fakt ausgewirkt, dass die meisten Gebäude aus Holz waren und dass die Bebauung innerhalb der geschlossenen Schutzwälle sehr dicht war. Im Lauf der Jahrhunderte haben sich mehrere Großbrände ereignet, bei denen entweder fast die ganze Stadt oder ein wesentlicher Teil der Stadt zerstört wurde. Am schlimmsten war wahrscheinlich der Brand im Jahr 1572, als die gesamte Stadt gebrannt hat - bis auf die Kirche und vier Häuser. Aber auch von Epidemien blieb unsere Stadt nicht verschont. Im Jahr 1582 war es die Pest und später dann - 1831, 1850 und 1855 - die Cholera.

Wirtschaftlicher Aufschwung und Entwicklung der Stadt

In der Stadt gab es jedoch nicht nur Katastrophen im Zusammenhang mit Kriegskonflikten oder Naturkatastrophen. Viele positive Ereignisse haben zum Aufschwung der Stadt beigetragen sowie dazu, dass sie sich im regionalen Maßstab behaupten konnte.

Die Stadt war vor allem Handelszentrum sowie Zentrum der Gewerbetreibenden. Eine große Tradition hatte hier vor allem die Weberei sowie die Färberei, da in der Gegend von jeher Flachs angebaut wurde.  Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts hält hier sukzessive die Baumwolle Einzug und beginnt, im 19. Jahrhundert diesen traditionellen Rohstoff zu verdrängen. Am Ende des 18. Jahrhunderts können sich die gegründeten Manufakturen (Anmerkung -  1790–1841 J. Schubert Baumwollwäscherei in Podhart', 1791 František Thim Färberei, Druckerei und Trockenanlage für Leinen in einem Vorort von Hradiště) trotz der sich hier maßgeblich entwickelnden Textilindustrie eher nicht behaupten. Umso mehr kann sich das Fabriksystem durchsetzen. Wichtige Voraussetzungen für die industrielle Entwicklung waren der Bau der Bahn (1858), aber auch die Vervollkommnung des Straßennetzes, die Schiffbarkeit der Elbe, vertretbare Entfernungen der Kohlebergwerke bzw. genügend Arbeitskräfte.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, als die ersten Textilfabriken zu entstehen beginnen (Winternitz und Friedman – 1861, Emanuel Bäumelt, Mořic Feldscharek, Julius Busch, etc.), beginnt der Aufschwung der Textilindustrie in der Stadt.

Im engen Zusammenhang mit der industriellen Entwicklung steht auch die Zunahme der Einwohneranzahl sowie die bauliche Entwicklung und - nicht zuletzt - auch die Entwicklung des gesellschaftlich-kulturellen Lebens in der Stadt (Errichtung eines Theaters, Entwicklung der Vereinstätigkeit - Theaterverein, Gesangsverein, Turneinheit Sokol, Verschönerungsverein, etc.). Die meisten dieser Vereine existieren heute noch und prägen weiterhin aktiv das Stadtleben.

Erster Weltkrieg

Ebenso wie die meisten anderen tschechischen Städte war auch Dvůr Králové nad Labem vom Ersten Weltkrieg betroffen.  Auch von den hiesigen Bewohnern wurde aktive Kriegsteilnahme verlangt. Im Ersten Weltkrieg sind 130 Landsmänner gefallen und 50 Soldaten blieben verschollen. Zum Gedenken an die Kriegsopfer wurden nicht nur in der Stadt Grabmale und Denkmäler errichtet, sondern auch in den angrenzenden Gemeinden, aus welchen die Soldaten stammten.

Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen (Ära der I. Republik)

Nachdem die durch den Ersten Weltkrieg ausgelöste Krise überwunden ist, kommt es im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen nicht nur zum industriellen Aufschwung, sondern auch das Vereins- und kulturelle Leben der Stadt entfaltet sich.  Das Zugpferd der Industrie bleibt auch weiterhin die Textilbranche. Dann kommt das Jahr 1929, mit welchem die Weltwirtschaftskrise einhergeht, von welcher kein Unternehmen in Dvůr Králové verschont bleibt.  Die Produktion musste eingeschränkt oder komplett eingestellt werden. Der Arbeitslosigkeit versuchen die Stadtvertreter, mit sog. Arbeitsnotlösungen entgegenzuwirken. In den deutschen Gebieten ist die Situation schlimmer. Als nach Hitlers Rückkehr im benachbarten Deutschland  die Produktion zu steigen und die Arbeitslosigkeit zu sinken beginnt, beginnt im Grenzgebiet die nationalsozialistische Strömung zu erstarken, die ihren Höhepunkt im Münchner Abkommen findet, wo der Gerichtsbezirk Dvůr Králové 32 von 47 Gemeinden verliert. Dvůr Králové wurde zu einer Grenzstadt ohne Verkehrswege, Bahn und Rohstoffe. In diesen Zeitraum (im Jahr 1933) fällt die Eröffnung des Tyrš-Freibads in Dvůr Králové nad Labem.

Zweiter Weltkrieg

Es folgen die Kriegsjahre 1939 bis 1945, welche ihren Abschluss im Maiaufstand sowie in der anschließenden Vertreibung der Deutschen aus dem Gebiet von Dvůr Králové finden.
Den Ergebnissen einer Volkszählung zufolge lebten im Jahr 1930 im Gerichtsbezirk Dvůr Králové nad Labem 23 666 Tschechen und 12 703 Deutsche. Durch die Vertreibung hat sich die Nationalitätenstruktur der Bewohner in der Region wesentlich verändert. In der ersten Hälfte der 50er Jahre lebten im Bezirk Dvůr Králové nad Labem insgesamt 725 Deutsche. Sie veranstalteten keine kulturellen Veranstaltungen, nahmen meistens an tschechischen Veranstaltungen teil beziehungsweise nahmen überhaupt nicht am gesellschaftlichen Leben teil.
5.6.2015 9:09:57 | gelesen 4950x | Jiří Třísko
 

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